Gedenkort / Erschießungen
Der Schießplatz auf der Dornhalde ist ein historischer Ort, an dem Soldaten auf drei große Kriege, den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, den Ersten Weltkrieg 1914-18 und den Zweiten Weltkrieg 1939-45, vorbereitet wurden.
Hinzu kommt, dass in der NS-Zeit der Maschinengewehrschießstand auf dem Schießplatz, dem heutigen Friedhof, zur Hinrichtungsstätte im Rahmen der Militärgerichtsbarkeit wurde. Der Ort befand sich in der Nähe der heutigen Logistikfläche des Dornhaldenfriedhofs. Während im Lichthof des Gerichtsgebäudes Urbanstraße Enthauptungen stattfanden, vollstreckte man auf der Dornhalde, auf dem Burgholzhof in Bad Cannstatt und in der Grenadierkaserne Zuffenhausen militärische Todesurteile durch Erschießen. Insgesamt sind 32 Erschießungen nachgewiesen, 21 davon auf der Dornhalde. Die Quellenlage ist sehr schwierig, von den meisten Opfern kennt man nur die Lebensdaten, von wenigen die Urteilgründe. Eine von Bertram Maurer gestaltete Ausstellung war bereits an mehreren Orten zu sehen, aktuell bis 8. Juni 2026 im Bezirksrathaus Degerloch.( Stuttgarter Zeitung vom 17.04.26: Die Toten vom Stuttgarter MG-Schießstand)
Die wenigsten Verurteilten waren aktive Gegner/Widerstandskämpfer, sie haben nur nicht ins Gesellschafts- und Menschenbild der Nazis gepasst, als Fahnenflüchtige, Kriegsdienstverweigerer, Homosexuelle etc. Artikel dazu in der Stuttgarter Zeitung vom 6. Juni 2023
Deshalb ist die Dornhalde ein Gedenkort nicht nur für Militarismus und Kriegsvorbereitung, sondern auch für die Menschen, die Opfer des NS- Unrechtssystems wurden. Drei Schicksale haben wir hier dargestellt. Sie sind eine Mahnung für uns heute, Menschenrechte zu achten!
Gustav Stange (24.10.1903 – 20.02.1942) war Schuhmacher und arbeitete in Stuttgart-Stammheim. Als Zeuge Jehovas lehnte er den Kriegsdienst ab und weigerte sich, den Eid auf Hitler abzulegen und dem Stellungsbefehl zu folgen. Daraufhin wurde er „wegen Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und am 20. Februar 1942 auf der Dornhalde erschossen.
Die Stolpersteininitiative hat in der Münchingerstraße 5 in Stammheim eine Gedenkplatte für ihn verlegt.
Am 31.3.1942 erfolgte Martens Festnahme – seine Frau hatte ihn bei seiner Dienstelle der Homosexualität bezichtigt. Nach einigen Verhören bestätigte Martens, mit dem Elsässer Eggermann sexuelle Beziehungen gehabt zu haben. Am 15. Mai 1942 wurde Josef Martens vom SS- und Polizeigericht zum Tode verurteilt. Urteilsbegründung: Strafbare Handlungen nach §175 und 175a (widernatürliche Unzucht).
Am 10. August 1942 erfolgte die Hinrichtung durch Erschießen auf der Dornhalde.
Sowohl für Josef Martens als auch für Eugène Eggermann wurden in Straßburg in der Rue des Grandes Arcades Stolpersteine verlegt.
Warum Josef Martus sterben musste - Stuttgarter Zeitung vom 8. April 2024